Die Märchentante, der Sultan, mein Harem und ich

„Am Morgen kein Joint, und der Tag ist dein Freund“, so heißt es auf S.
159 des neuen Buchs von Helge Timmerberg, „Die Märchentante, der Sultan, mein Harem und ich“ (Malik, 2014). Da Timmerberg nach eigener Aussage eigentlich nur unter dem Einfluss magischen Pflanzenrauchs schreibt, stellt sich die Frage, ob wir uns nun Sorgen um seine schriftstellerische Schaffenskraft machen müssen. Die Antwort ist: auf keinen Fall, denn das Buch ist ein echter Timmerberg mit einem Reigen an flapsigen Scherzen, politisch unkorrekten Einwürfen, ehrlicher Selbstanalyse, schelmenhaften Geschichten und romantischen Erinnerungen. Er nimmt den Leser mit auf eine abenteuerliche Reise durch den Orient aber auch sein Leben, bei der er
knallharte Realität mit märchenhafter Übertreibung so geschickt verwebt, dass man nie so recht weiß, ob man nun in einem spannenden Reisebericht schmökert oder einen Märchenbuch. Allerdings hatte Timmerberg bei diesem Buchprojekt ein echtes, unverschuldetes Problem, wie die völlig unerwartete Pointe zeigt. Das ist tragisch, aber nicht zu ändern, wie der Leser verstehen wird. Deshalb bleibt sein jahrzehntelanger Traum von einem „wahren Märchen“, einem Hollywoodfilm über Elsa Sophia von Kamphoevener, seinem Vorbild fürs Geschichtenerzählen, ein Traum. Alles andere
wäre aber auch märchenhaft gewesen. Und wer mag das schon vom Leben behaupten.

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