Die Renaissance des Lesens

Aktivität, Konstruktivität, dies sind – genau wie die Entspannung – Grundbedürfnisse des Menschen. Erst recht des jungen Menschen, des quirligen, ewig neugierigen Kindes. Nur der Text – der durch die Sprache Wirklichkeitsentwürfe allein in Konturen vorzugeben vermag, die der Rezipient beim Lesen „ausmalen“ kann – bietet der Fantasie einen echten Spielraum im Vergleich zur die Fantasie präfigurierenden visuellen Darstellung. Vielleicht ist damit der Erfolg solcher (Kinder-)Bücher zu erklären, die aus medialen Gründen Leerstellen für des Lesers Kreativität bieten, diese mit narrativen Mitteln aber zugleich noch in verstärktem Maße zu füllen herausfordern. Die Rede ist von Harry Potter, der eine – zumindest medial stark beachtete – Renaissance der Leselust bei Kindern und Jugendlichen initiierte – sicherlich auch, weil er sie zur Konstruktion einer fantastisch-faszinierenden Welt animierte. Dass auch eine größere Zahl von Erwachsenen sich in der zauberhaften Sphäre des kleinen Magiers wohlfühlt und Vergnügen an deren Konstruktion hat, kann man als Indiz dafür werten, dass dieses Bedürfnis der aktiven Teilhabe auch bei auf eher vorgekaute Unterhaltung eingestellten Erwachsenen nicht zwangsläufig versiegen muss.

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